Dysfunktionale Gemeinschaft

  

In der Psychologie hat sich seit langem der Begriff "dysfunktional" eingebürgert, der ein Gemeinschaftssystem bezeichnet, das für die Mitglieder immer mehr zu einem Gefängnis wird statt zu einem Ort, der Freiheit und Entfaltung bietet. Das kann für Familien gelten, für Vereine und Gruppen, für Firmen und sogar für ganze Staaten. Dysfunktionales System (nach Anne Wilson Schaef und John Bradshaw):

  • Ungeschriebene Regeln
  • Starre Rollenzuschreibungen
  • Keine offene Kommunikation
  • "Glückliches Bild" nach Innen und nach Außen
  • Verdrängung
  • Ein ungelöster Konflikt
  • Eine ursächliche Wunde in den Beziehungen
  • Starre Bewertungen von gut und böse
  • "Schwarzes Schaf"
  • Probleme werden auf Eis gelegt

Symptome im neuen "Bremen Tauscht":

  • Ein ungelöster Konflikt am Anfang
  • Isolation eines Mitglieds (bisheriger Leiter)
  • Aufteilung in Gut und Böse, Verurteilung des vorherigen Leiters
  • Verhinderung eines klärenden Gesprächs über Monate
  • "Neubeginn" ohne Blick zurück
  • Verdrängung: "Wir sehen nur in die Zukunft", "Es flutscht wieder."
  • Rückzug nach Innen bei vielen Gruppenmitgliedern
  • Endgültige Installation eines Sündenbocks
  • Einrichtung eines nicht transparenten und nicht legitimierten Systems
  • Wortlose Entsorgung von Kritikern

Anfang und Ursache der Einrichtung eines dysfunktionalen Systems in einer Gruppe ist immer ein Konflikt, der für einige der Beteiligten zu bedrohlich erscheint, so dass er abgewehrt werden muss und die Auseinandersetzung darüber nicht stattfindet. Bei "Bremen Tauscht" fand dieser ursprüngliche Konflikt zwischen einigen Teilnehmern und dem Leiter statt. Der ehemalige (inoffizielle) Leiter kündigte seine Posten und löste dadurch eine Welle der Befürchtungen und der Angst aus. Die Abhängigkeit von der Arbeit einer Person wurde vielen Tauschern bewusst. Offensichtlich war diese innere und äußere Situation so beängstigend, dass sie kurz nach der Bewusstwerdung in Wut umgewandelt wurde. Wut ist viel sicherer als Angst. Durch ein Grüppchen Tauscher wurden diese starken Gefühle auf eine Person gelenkt: denjenigen, der die Gruppe so schmählich im Stich gelassen hatte und für diese unangenehmen Emotionen somit verantwortlich war. Es folgte eine Rufmordkampagne. Kein Aspekt der Arbeit des ehemaligen Leiters wurde verschont.

Ein Gerücht wurde in die Welt gesetzt, der bisherige Leiter sei per Mail und telefonisch nicht mehr erreichbar. So wurde die Angst in schwindelnde Höhen getrieben und gleichzeitig eine passable Begründung dafür geliefert, warum man denn nicht einmal versuchte, mit Jens K. in Verbindung zu treten. Jens K. wurde isoliert, sein Telefon und seine Mailadresse und auch die offiziellen "Bremen Tauscht" Mailadressen waren nie abgeschaltet gewesen. Das interessierte aber niemanden mehr.

Der Abbruch einer direkten Kommunikation wurde die nächsten Monate über konsequent fortgesetzt. Gleichzeitig wurde die Person von Jens K. in der Blütenpresse und auf Treffen demontiert. Dieser Prozess dauert bis heute an. Der nächste Schritt waren Treffen und Plena, auf denen die Verdrängung als Mittel der Wahl konsequent durchgesetzt wurde. Beiträge, die den Konflikt thematisierten und eine Aufarbeitung wünschten, wurden nicht angehört, was in der durch Ängste und Aggressionen aufgeheizten Atmosphäre kein Problem war. Die Richtung war bereits festgelegt, die starren Rollen eingerichtet und die Intention der Beteiligten in diesem Prozess war, aus den unangenehmen Gefühlen so schnell wie möglich einen Ausweg zu finden. Konflikte zu sehen und auszuhalten und sich ihnen dann noch zu stellen erfordert Mut und ein gefestigtes Selbstbild. Einfacher ist der Weg des Ausweichens, so dass er in den meisten Fällen solcher Konflikte gewählt wird. So auch hier.

Welche Art von Gemeinschaft kann man auf einer massiven Verdrängung und deren Folgen aufbauen? Wenn Tatsachen nicht mehr gesehen, geschweige denn besprochen werden, bleibt nur der Weg in eine schöne Scheinwelt, in der dann wieder alles, wie von Zauberhand, in Ordnung ist. Wir alle haben die Sehnsucht nach Gemeinschaft, Ordnung und Stabilität. Sie allerdings auf künstlichem Weg herstellen zu wollen, erfordert harte Opfer. Dieser Weg erscheint zunächst als der einfachere, rächt sich im Laufe der Zeit aber, weil die Basis niemals sicher ist. Ein Haus wird hier auf Sand gebaut.

Also müssen in der Folge Regeln und Kommentare gegeben werden, die den Anschein der Sicherheit erwecken. Die Teilnahmebedingungen, die in vielen Treffen demokratisch erarbeitet wurden, sind inzwischen außer Kraft gesetzt und werden auf der Homepage des Tauschrings nicht mehr veröffentlicht. Zur Kenntnisnahme haben wir sie als Download bereitgestellt. Teilnehmer, die sich kritisch zum neuen Verbuchungssystem äußern, werden entgegen den Teilahmebedingungen rausgeworfen, ohne ihr Guthaben an erarbeiteten Blüten noch ausgeben zu können. Auch das wird nicht mehr diskutiert. Diese Handhabung beruht auf einem Beschluss der neuen "Orga-Gruppe", der durchgeführt wird, aber als Beschluss in keinem Protokoll auftaucht. Die Guthaben der meisten Konten sind falsch, weil der Programmierer des bisherigen Buchungssystems, der die korrekten Kontostände liefern könnte, nicht kontaktiert wird. Seine diesbezügliche Mitteilung an die neuen Verantwortlichen wurde nicht beantwortet. Die Überschrift des Leitartikels in der aktuellen Blütenpresse: "Es flutscht wieder."

Um das Haus des neuen Tauschrings "Bremen Tauscht" zu bauen, wurde ein Bauernopfer in Gestalt des alten Leiters gebracht. Und das ist, neben vielen sehr kritischen Aspekten der Entwicklung, eine brutale Missachtung der Würde und der Rechte eines Menschen. Ein wichtiger Grund, diese Homepage zu erstellen, ist die Wiederherstellung der Reputation von Jens K. Ich hoffe, dass ich mit meinen Beiträgen hierzu wichtige Ansätze und Informationen bereitstelle.

Jara Astrid B.