Selbstkritik

  
Hier wollen wir einige Aspekte benennen, die unserer Meinung nach im Tauschring "Bremen Tauscht" schon vor den Auseinandersetzungen hätten besser gemacht werden können, auch von Seiten des langjährigen (inoffiziellen) Leiters. Wir finden, dass die Benennung dieser Fakten der Ausgewogenheit dient und haben uns selbstverständlich Gedanken gemacht, in welcher Weise die momentane Fehlentwicklung von der vorherigen Tauschringführung begünstigt wurde.

Eine neue Organisation ist im Aufbau, einige Strukturfehler haben wir erkannt und wir wollen daraus für die Neugründung lernen.

  1. Die Demokratie in der früheren Geschichte von "Bremen Tauscht" war als Konsensdemokratie angelegt. Das bedeutet, dass bis vor einiger Zeit auf einem Plenum ein Konsens hergestellt werden musste (tatsächlich ohne eine Gegenstimme) um einen Beschluss zu fassen. Je größer der Tauschring wurde, umso schwerfälliger wurden die Plena, versteht sich. Teilnehmer, die erwiesenermaßen dem Tauschring geschadet hatten, konnten deshalb nicht ausgeschlossen werden.

  2. In einer Kraftanstrengung wurde auf einem Plenum die Konsensregelung modifiziert um die Handlungsfähigkeit des Tauschrings zu erhalten. Diese Art Demokratie hat aber nach wie vor gravierende Nachteile, die sich in der aktuellen Entwicklung deutlich gezeigt haben: auf Plena stimmen Teilnehmer über wichtige Regelungen und rechtlich relevante Themen ab, die sich in der Regel vorher nicht informiert haben. Auf diese Weise können Entscheidungen zustande kommen, die einer realen Grundlage entbehren.

  3. Jens K. hat aus Idealismus versucht, keine Leitungsposition, weder für sich noch für andere, zu installieren. "Keine Macht für niemand" funktioniert aber offensichtlich in einer Gesellschaft wie der unseren nicht. In der Praxis sah das dann so aus, dass Jens K. notwendige Entscheidungen im Tagesgeschäft traf, dies auch von der Mehrheit geschätzt wurde, er aber dafür nie eine offizielle Legitimation besaß. Er wurde als Leiter nie gewählt, "Bremen Tauscht" war offiziell ein sich selbst regulierendes System. Diese zweigleisige Handhabung öffnete Tür und Tor für Angriffe.

  4. Tauschringe ziehen manchmal eine bestimmte Art Menschen an: in "Bremen Tauscht" gab es einen deutlichen Überhang an esoterisch orientierten Teilnehmern. Diese Tatsache schreckte viele Interessenten ab, die fanden, das Angebot im Tauschring sei zu einseitig. Es war so, dass einige der esoterisch ausgerichteten Leute meinten, den Tauschring auf Basis ihrer Ideen umformen zu können. Dabei fehlte es wiederum an Fachwissen, abgesehen davon, dass ein Tauschring weltanschaulich neutral agieren sollte.

  5. Es zeigte sich in der Praxis, dass die Herausforderungen eines basisdemokratischen Systems für viele Teilnehmer eine Überforderung darstellten. In den Konflikten, die in den letzten Monaten entstanden, reagierte die Mehrheit der Tauscher mit Schweigen oder Abwehr, auf einem Plenum fiel der entsetzte Ausspruch: "Wir wollen doch nur tauschen!" Diese Haltung ist verständlich, die wenigsten Menschen lieben Konflikte. Allerdings kann ein System ohne Leitung so nicht funktionieren. Es ist darauf angewiesen, dass die Mehrheit der Teilnehmer sich informiert und aktiv einbringt.

  6. Die technischen Möglichkeiten einer Homepage für Angebote und Buchungen wurden bisher nicht ausgeschöpft, die Programmierung hätte Zeit und Kraft in Anspruch genommen, die nicht zur Verfügung stand.

  7. Einige Teilnehmer, die Arbeiten für die Gemeinschaften übernommen hatten, haben diese nicht oder nur sehr schleppend ausgeführt, so dass einge Bereiche des Tauschringes nicht funktionierten oder die Arbeiten von dem Büro übernommen werden mussten.

  8. Die idealistische Praxis, keine Jahresgebühr zu verlangen, die gut gemeint war, bedeutete für einige Tauscher: "Kostet nix, taucht nix". Notwendige Anschaffungen konnten nicht getätigt werden, Spenden flossen sehr spärlich. Vor allem wurde aber die Teilnahme oft nicht ernst genommen, der Tauschring wurde von vielen Teilnehmern als eine Art Spielplatz betrachtet, nicht als eine ernst zu nehmende Alternative zum vorherrschenden Wirtschaftssystem.

  9. Jens K. sagt von sich selber, er sei ein "verbaler Grobmotoriker", er legte immer Wert darauf, unverblümt seine Meinung zu sagen; einigen Tauschern ist in der Vergangenheit die Sprache von Jens K., wenn er etwas dringendes unter die Leute zu bringen hatte, auf die Nerven gegangen und das nicht zu Unrecht; Tipp: Einen Kurs in Gewaltfreier Kommunikation nach Rosenberg besuchen!