Überblick

  

Hier ein kurzer Überblick über die Geschehnisse in "Bremen Tauscht"


Die Ereignisse, die wir hier schildern, haben sich in einem Tauschring zugetragen. Ein Tauschring ist so etwas wie eine Zeitbank: Menschen können sich anschließen und ihre Fähigkeiten in ganz verschiedenen Bereichen einbringen. Ihre Arbeitsleistung wird auf einem eigenen Konto verbucht in einer tauschringeigenen Währung, und für die selbst erbrachte Leistung können die Teilnehmer nun ihrerseits aus einem großen Angebot auswählen, welche Leistung von welchem Teilnehmer sie in Anspruch nehmen wollen. Beispiel: Klaus gräbt Monika 3 Stunden lang den Garten um und bekommt 36 "Blüten" auf seinem Zeit-Konto gutgeschrieben. Danach braucht Klaus dringend ein neues Sofa, bekommt dieses von Cordula und bezahlt an Cordula 25 Blüten von seinem Konto. Und so weiter und so weiter.

Die Organisation eines einwandfrei laufenden Tauschrings ist komplex und äußerst zeitaufwendig. Es gehört ein gut funktionierendes Buchungsprogramm dazu, eine Homepage, ein Informationssystem, eine Zeitung für die Angebote und redaktionelle Texte, eine große Menge an gestalteten Formularen, die Erarbeitung von Regeln für die Gemeinschaft und ein enormer Hintergrund an Wissen.

"Bremen Tauscht", der Tauschring, um den es hier geht, hatte all das. So lief er 8 Jahre zur Zufriedenheit der meisten Teilnehmer.

Jens K. war Gründer und hauptsächlicher Organisator des Tauschrings. Er programmierte ein hoch leistungsfähiges Tauschringprogramm, war in erster Linie zuständig für Beratungen und Eintritte, rekrutierte in den ersten Jahren neue Teilnehmer durch Werbung, gab Interviews für die Presse, leitete Plena und Treffen, erstellte die zweite Homepage, machte das grafische Layout aller Formulare, entwickelte die monatliche Tauschringzeitung und erledigte die gesamte Verbuchung der Tausche. Jens K. bezahlte die Büroausstattung und die Energie-/ Kommunikationskosten aus eigener Tasche und stellte das gesamte Equipment dem Tauschring unentgeltlich zur Verfügung.

Immer wieder gab es Menschen, die Kritik übten. Das ist normal. "Bremen Tauscht" hatte ein wirklich basisdemokratisches System entwickelt, das transparent war und ein Mitspracherecht bot, das über die Zeitung und über die konsensdemokratischen Plena verwirklicht werden konnte. Jens K. war über die Jahre immer wieder Angriffen von Personen ausgesetzt, die per Mail ihrem Unmut über Details Ausdruck verliehen, mit denen sie nicht einverstanden waren. Leider waren das in den meisten Fällen Personen, die ihrerseits nicht gewillt waren, ihre Arbeitsleistung in den Tauschring einzubringen. Wer selbst in Organisationen arbeitet wird das Prinzip erkennen.

Steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn ein hoch motivierter Leiter und Organisator über Jahre aggressiv kritisiert und bekämpft wird ohne eine entsprechende Würdigung auf der anderen Seite zu erhalten, kommt irgendwann der Punkt, an dem er den Sinn seiner Arbeit nicht mehr erkennen kann. Bei Jens K. war es so und er kündigte im Mai 2014 seine Posten auf. Im Tauschring wollte er Teilnehmer bleiben und er sorgte dafür, dass die Verbuchung in einer Übergangszeit sauber weiter laufen konnte durch die Einarbeitung eines Nachfolgers. So weit, so gut, wie man es sieht.

Was nun folgte war allerdings unvermittelt, brutal und wirklich erschreckend. Eine Gruppe von Teilnehmern, die nur auf die Gelegenheit gewartet zu haben schien, begann schon wenige Tage nach dem Rücktritt, eine Rufmordkampagne gegen Jens K. in die Welt zu setzen. Viele Teilnehmer des Tauschrings waren natürlich besorgt, wie es weitergehen könnte. Diese Angst wurde geschürt, bis sie sich zu einer gigantischen Welle auftürmte. Auf Stammtischen und auf Plena der Ortsgruppen wurde in Abwesenheit von Jens K. geschildert, er habe unterschlagen und veruntreut, hätte alle Kommunikationskanäle missbraucht und kontrolliert, hätte Zensur geübt und hätte überhaupt immer nur nach Macht gestrebt. Seine Reputation als Gründer und Hauptverantwortlicher wurde komplett demontiert und zerstört. In der Tauschringzeitung wurden die Behauptungen veröffentlicht.

In der Folge übernahmen die Aktivisten Leitungspositionen im Tauschring, ohne von der Mehrheit bestätigt worden zu sein. Die Zeit des Mobbings dauerte von Mai 2014 bis August 2014, als Jens K. aufgrund der Ereignisse auch noch seine Teilnehmerschaft kündigte, die er eigentlich hatte beibehalten wollen. Alle Leistungen von Jens K., die jahrelang sehr gut funktioniert hatten, wurden in Frage gestellt. Ein neues Tauschringprogramm sollte her, eine neue Homepage und eine neue Führungsriege. Warum eigentlich dachten die Rädelsführer nicht an die Neugründung eines Tauschrings? Das hätte zu viel Arbeit bedeutet, wie einer der Aktiven freimütig auf einem Plenum verkündete.

Der Tauschring kippte in der Folgezeit um in ein nicht mehr transparentes und autoritär geführtes System, aus dem Kritiker sang und klanglos entsorgt werden, ohne die Möglichkeit, sich zu äußern. Es finden nicht mehr vom Plenum legalisierte Handlungen statt, nicht gewählte Teilnehmer übernehmen Büroposten, Zensur hat Einzug gehalten und die Teilnehmer werden nur noch über Vorgänge informiert, die in ein positives Bild passen. Offizielle Mails werden anonym versendet, die neue Homepage verfügt nicht mehr über ein Impressum. Alle Vorwürfe, die Jens K. gemacht wurden, werden nun in reiner Form verwirklicht. Willkommen in der schönen neuen Tauschwelt.

Diese Geschichte und einige zusätzliche Gedanken veröffentlichen wir hier im Detail. Jede Leserin und jeder Leser kann sich sein eigenes Urteil über die Ereignisse bilden.